Das Birkhuhn - der Hühnervogel mit hohen Ansprüchen

Das Birkhuhn (Lyrurus tetrix) stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Es bevorzugt ungestörte Moor- und Heidelandschaften mit Birken-, Fichtenbewuchs und vielgestaltiger Krautschicht. Diesen Lebensraum trifft es nur noch selten so an, wie es ihn benötigt. Menschliche Einflüsse und natürliche Feinde wie der Fuchs oder das Schwarzwild machen dem Hühnervogel das Leben schwer. Daher sind Birkhühner heute in Deutschland sehr selten geworden und stehen auf der Roten Liste. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und auf den weiter südlich gelegenen Truppenübungsplätzen ist das Birkhuhn jedoch - Dank der Bemühungen des Vereins Naturschutzpark - noch anzutreffen.

Das Birkhuhn zeigt im Jahresverlauf eine ausgeprägte Anpassung an seinen Lebensraum. Im Winter ernährt es sich fast ausschließlich von Knospen, Trieben und Nadeln von Birken, Kiefern oder Heidepflanzen, während im Sommer Kräuter, Blätter, Beeren und Insekten eine wichtige Rolle spielen. Besonders für die Küken sind Insekten lebenswichtig, da sie in den ersten Wochen eiweißreiche Nahrung benötigen. Strukturreiche Moor- und Heidelandschaften mit einem Wechsel aus offenen Flächen und Deckung sind daher für alle Lebensphasen unverzichtbar.

Charakteristisch ist zudem das stark ausgeprägte Flucht- und Störungsverhalten des Birkhuhns. Schon geringe Beunruhigungen, etwa durch freilaufende Hunde oder das Verlassen der Wege, können dazu führen, dass Tiere wichtige Nahrungs- oder Balzplätze meiden. Vor allem im Winter und während der Brutzeit kostet jede Flucht wertvolle Energie oder gefährdet den Bruterfolg. Das Birkhuhn gilt deshalb als sensibler Indikator für störungsarme, naturnahe Landschaften und macht deutlich, wie wichtig Rücksichtnahme und gezielte Schutzmaßnahmen für den Erhalt dieser besonderen Vogelart sind.

Foto: Dennis Karjetta

Nur durch den Erhalt der offenen Heidelandschaften und die besondere Rücksichtnahme der Besucher, durch Beachten der Wegegebote, wird es gelingen diese vom Aussterben bedrohten Tiere dieser Vogelart zu erhalten.

Während die Birkhähne mit prächtigem blauschwarz gefärbtem Gefieder daherkommen, sind die Weibchen eher sicherheitsbewusst. Als Bodenbrüter müssen sie gut getarnt sein und tragen aus diesem Grund ein schlichtes, braun-schwarz geflecktes Federkleid. Zur Balz plustern sich die Hähne richtig auf, springen in die Höhe, tragen Scheinkämpfe aus und zischen und gluckern. In den Alpen hat man dieses Gebaren als Vorbild für das „Schuhplattlern“ genommen, ein Tanz – der dort wohl auch der „Balz“ dient!

Ziegenmelker – der nächtliche Genießer

Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), auch Nachtschwalbe genannt, ist ein Vogel, den man eher hört als sieht. Erst in der Dämmerung und nachts wird er aktiv, tagsüber ruht er gut getarnt auf dem Boden oder auf Ästen. Sein braun-schwarz gemustertes Gefieder lässt ihn nahezu mit der Umgebung verschmelzen. Charakteristisch ist sein kurzer Schnabel mit einem ungewöhnlich breiten Rachen, mit dem er im Flug Insekten erbeutet.

Seinen Namen hat der Ziegenmelker Gaius Plinius Secundus zu verdanken, einem römischen Historiker und Schriftsteller, der den Namen in seiner Enzyklopädie festhielt. Weil sich der Vogel nachts oft in der Nähe des Weideviehs aufhielt, wurde ihm das Melken der Ziegen unterstellt. Dabei interessierte sich dieser nur für die Insekten am Ziegeneuter. Wahrscheinlich haben Menschen, die selbst in der Nacht Durst hatten und die Ziegenmilch getrunken haben, dem auffällig beim Vieh herumfliegenden Vogel später die Schuld in die Schuhe geschoben. 

Der Ziegenmelker ist ein hoch spezialisierter Insektenjäger der Dämmerung, der lautlos und wendig durch die Luft gleitet. Mit seinem breiten Rachen und den feinen Borsten am Schnabelrand fängt er Nachtfalter, Käfer und Mücken direkt im Flug. Seine Flugweise wirkt dabei oft schmetterlingsartig. Besonders bekannt ist der schnurrende Balzruf der Männchen, der an ein gleichmäßiges Surren erinnert und in warmen Sommernächten weit durch die Heide zu hören ist. Häufig verrät sich der Vogel eher durch diesen Laut als durch sein Erscheinen.

Auch seine Fortpflanzung ist außergewöhnlich: Der Ziegenmelker baut kein Nest, sondern legt seine Eier direkt auf den Boden, bevorzugt auf offenen Sandflächen, Lichtungen oder in lückiger Heidevegetation. Die Eier und Jungvögel sind perfekt getarnt und kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Diese Anpassung macht die Art jedoch besonders empfindlich gegenüber Störungen. Lebensraumverlust, zunehmende Verbuschung und der Rückgang nachtaktiver Insekten setzen dem Ziegenmelker stark zu. Als typische Art offener, strukturreicher Heidelandschaften steht er stellvertretend für den Schutz dieser selten gewordenen Lebensräume. Der Ziegenmelker steht in Deutschland auf der Roten Liste.

Der Kranich – Glücksbote auf Reisen

Der Kranich (Grus grus) ist einer der größten heimischen Vogelarten und ein eindrucksvoller Zugvogel. Im Frühjahr und Herbst rastet er in der Lüneburger Heide auf seinem Weg zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten. Sein trompetenartiger Ruf ist weithin hörbar und kündigt oft schon aus der Ferne seine Ankunft an.

Foto: Dennis Karjetta

Charakteristisch für den Kranich sind sein graues Gefieder, die schwarzen Handschwingen und der auffällige rote Hautfleck auf dem Scheitel, der bei Erregung besonders leuchtet. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,40 Metern ist er ein beeindruckender Flieger. Kraniche leben in lebenslangen Paarbindungen und zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Besonders bekannt sind ihre Balztänze, bei denen sie springen, sich verbeugen und Pflanzen oder Erde in die Luft werfen – ein eindrucksvolles Schauspiel, das nicht nur der Partnerbindung dient, sondern auch zur Festigung sozialer Beziehungen.

Als Allesfresser nutzen Kraniche je nach Jahreszeit ein breites Nahrungsspektrum: In Feuchtgebieten fressen sie Insekten, Würmer und Kleintiere, auf Feldern auch Getreide, Mais oder Kartoffeln. Gerade während der Rastzeiten ist eine ungestörte Nahrungsaufnahme entscheidend, um Energiereserven für den Weiterflug aufzubauen. 

Kraniche reagieren äußerst sensibel auf Störungen und gelten deshalb als Indikator für intakte Feuchtlandschaften. Sie benötigen ruhige Rastplätze mit flachen Gewässern und angrenzenden offenen Flächen. Störungen können dazu führen, dass sie Rastplätze meiden.

Die Lüneburger Heide bietet mit ihren Mooren und Feuchtgebieten wichtige Rückzugsräume während des Vogelzugs. Der Schutz dieser Rastplätze ist daher von internationaler Bedeutung und macht die Heide zu einem wichtigen Glied im Netzwerk der Zugvogelrouten. 

Das Rebhuhn – der leise Bewohner der Kulturlandschaft

Das Rebhuhn (Perdix perdix) ist ein typischer Vogel der offenen Feld- und Heidelandschaften. Früher weit verbreitet, ist es heute selten geworden. Die Lüneburger Heide gehört zu den Gebieten mit besonderer Priorität für Schutzmaßnahmen dieser Art. Rebhühner leben bodennah und sind meisterhaft getarnt.

Foto: Dennis Karjetta

Rebhühner sind ausgeprägte Standvögel und leben das ganze Jahr über in festen Revieren. Außerhalb der Brutzeit schließen sie sich zu sogenannten Ketten zusammen – Familienverbänden aus mehreren Alt- und Jungvögeln, die gemeinsam Nahrung suchen und sich vor Feinden schützen. Ihre Nahrung besteht aus Samen, Kräutern und Getreidekörnern, im Frühjahr und Sommer spielen jedoch auch Insekten eine wichtige Rolle. Besonders für die Küken sind diese eiweißreichen Insekten in den ersten Lebenswochen überlebenswichtig.

Die Fortpflanzung beginnt im Frühjahr, wenn die Paare ein gut verborgenes Nest am Boden anlegen. Das Weibchen legt meist zahlreiche Eier, aus denen nach kurzer Brutzeit bereits weit entwickelte Küken schlüpfen, die dem Elternpaar sofort folgen können. Trotz dieser Anpassungen ist der Bruterfolg stark von geeigneten Lebensräumen abhängig.

Als Bodenbrüter sind sie besonders empfindlich gegenüber Störungen und Lebensraumverlust. Intensive Landwirtschaft, fehlende Brachen und der Rückgang strukturreicher Landschaften haben ihre Bestände stark schrumpfen lassen. Schutzmaßnahmen wie extensiv genutzte Flächen, Hecken und störungsarme Bereiche sind entscheidend, um dem Rebhuhn wieder eine Zukunft zu geben. 

Das Rebhuhn gilt daher als Leitart strukturreicher Agrar- und Heidelandschaften. Wo es vorkommt, profitieren auch viele andere Tierarten. Sein Schutz steht sinnbildlich für eine vielfältige, naturnahe Kulturlandschaft.

Die Heidelerche – Sängerin der offenen Landschaft

Die Heidelerche (Lullula arborea) ist ein typischer Vogel der offenen Heide- und Sandlandschaften. Mit ihrem melodischen, flötenden Gesang gehört sie zu den charakteristischen Stimmen der Lüneburger Heide. Anders als viele andere Lerchenarten singt sie oft im Sitzen oder aus niedriger Höhe, was sie für aufmerksame Besucher erlebbar macht.

Die Heidelerche ist ein früher Sänger: Oft beginnt ihr Gesang schon im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr, lange bevor andere Vogelarten aktiv werden. Damit zählt sie zu den ersten akustischen Frühlingsboten der Heide. Ihr Gesang dient nicht nur der Revierabgrenzung, sondern auch der Partnerfindung. Während der Brutzeit ernährt sich die Heidelerche überwiegend von Insekten und Spinnen, außerhalb dieser Zeit spielen auch Samen eine wichtige Rolle. Diese flexible Ernährung hilft ihr, in nährstoffarmen Heidelebensräumen zu überleben.

Foto: Dennis Karjetta

Als Bodenbrüter ist die Heidelerche auf weitläufige, offene Flächen mit niedriger Vegetation angewiesen. Verbuschung, intensive Nutzung und Störungen gefährden ihren Lebensraum. Dazu kommt ihre hohe Standorttreue: Viele Heidelerchen kehren Jahr für Jahr in dasselbe Brutgebiet zurück. Das Nest wird gut versteckt am Boden angelegt und ist dadurch besonders gefährdet gegenüber Trittschäden oder Störungen.

Die Heidelerche gilt als Indikatorart für offene, strukturreiche Heidelandschaften. Wo sie vorkommt, sind Lebensräume noch ausreichend offen, sonnig und nährstoffarm. Das sind Bedingungen, von denen zahlreiche weitere spezialisierte Tier- und Pflanzenarten profitieren. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist sie eine wertbestimmende Brutvogelart. 

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