Die Graue Gehörnte Heidschnucke – eine wichtige Landschaftspflegerin
Foto oben: Dennis Karjetta
Die außerordentliche Genügsamkeit und die robuste Gesundheit sind nur zwei von vielen positiven Eigenschaften der Heidschnucke. Außerdem besitzt sie die Fähigkeit, Besenheide als Futter zu verwerten, weshalb sie sich hervorragend für den Einsatz in der Heidepflege eignet. Die Heidschnucke stammt von den auf Sardinien und Korsika beheimateten Mufflons ab. Die Wolle der Grauen Gehörnten Heidschnucke ist gräulich und etwas kratzig, im Monat Mai wird diese geschoren. Die Beine der Schnucke, ihr Schwanz und ihr Kopf sind dagegen schwarz. Die Lämmer, die im Frühjahr zur Welt kommen, werden schwarz geboren und färben sich im zweiten Jahr zur Elternfarbe. Beide Geschlechter tragen Hörner. Die norddeutschen Heide- und Moorlandschaften der Lüneburger Heide zählen zu den Hauptzuchtgebieten der Heidschnucke.
Charakteristisch für die Heidschnucke ist ihr ausgeprägtes Herdenverhalten sowie ihre große Trittsicherheit, die sie besonders geeignet für die Beweidung unwegsamer Flächen macht. Durch ihr selektives Fressverhalten hält sie nicht nur die Besenheide kurz, sondern trägt auch dazu bei, Verbuschung zu verhindern und die typische offene Heidelandschaft zu erhalten. Damit ist die Heidschnucke ein zentraler Bestandteil der traditionellen Kulturlandschaftspflege und spielt eine wichtige Rolle für den Erhalt vieler seltener Tier- und Pflanzenarten.
Ursprünglich entwickelten sich verschiedene regionale Heidschnucken-Schläge, die an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst waren. Heute ist vor allem die Graue Gehörnte Heidschnucke bekannt, während andere Formen wie die Weiße Gehörnte oder die Moorschnucke nur noch selten vorkommen. Die enge Verbindung von Heidschnucke, Schäferei und Heidewirtschaft prägt bis heute das Landschaftsbild und die kulturelle Identität der Lüneburger Heide.
Der Wortteil "Schnucke" im Namen der Heidschnucke kommt von schnucken bzw. schnökern, was so viel wie "naschen" oder etwas "Süßes zu sich nehmen" bedeutet. Und noch eine positive Eigenschaft der Heidschnucke sei hier erwähnt: sie hat wohlschmeckendes Fleisch, das wildartig schmeckt. Leider ist eine wirtschaftliche Haltung der Heidschnucken heute nicht mehr möglich, da die Wolle heutzutage kaum noch genutzt werden kann. Auch die Erlöse aus dem Verkauf des Fleisches reichen nicht aus, um die Kosten zu decken. Deshalb gehören die Heidschnucken inzwischen zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Im Naturpark Lüneburger Heide werden noch mehrere Heidschnuckenherden mit Hunden traditionell gehütet. Eine Herde besteht aus rund 350 - 400 Mutterschafen, je nach Saison bis zu 400 Lämmern sowie einigen Böcken.
Die Halter der Schnuckenherden sind auf öffentliche Fördermittel und auf Spenden angewiesen. Wer die Pflege der Heide durch Heidschnucken unterstützen möchte, kann beim Verein Naturschutzpark e.V. eine Patenschaft für eine Schnucke übernehmen.
Die Heidschnucke wurde von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) zur „gefährdeten Nutztierrasse 2026“ ernannt.
Die Europäische Wildkatze – eine scheue Rückkehrerin
Mitte des 20. Jahrhunderts galt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) in weiten Teilen Deutschlands als ausgerottet. Infolge intensiver Schutzbemühungen konnten sich die Bestände inzwischen etwas erholen. Dennoch zählt die Art mit etwa 6.000-8.000 Individuen weiterhin zu den seltensten heimischen Säugetieren in Deutschland. Seit einigen Jahren breiten sich die scheuen Tiere auch in Niedersachsen wieder aus und erobern nach und nach frühere Lebensräume in der Lüneburger Heide zurück.
Die einzelgängerisch lebende Wildkatze, kommt vorwiegend in naturnahen Wäldern Europas vor. Sie bevorzugt Laub- und Mischwäldern mit dichter Vegetation und reichlich Deckung, kommt aber auch am Waldrand vor, in Auwäldern und buschreichen Flächen. Sie meidet offenlandwirtschaftliche Gebiete und intensive menschliche Störungen.
Foto: VDN-Fotoportal/Maik Elbers
Im Aussehen ähnelt sie einer größeren, kräftigeren Hauskatze mit gelblich-braun bis silbergrau gestreiftem Fell, einem dicken, buschigen Schwanz mit dunklen Ringen und einem stumpfen Ende. Ihr Körperbau wirkt insgesamt etwas massiger als bei Hauskatzen, mit relativ längeren Beinen und breitem Kopf. Verhaltensbiologisch ist die Europäische Wildkatze ein einzelgängerischer, meist nacht- und dämmerungsaktiver Jäger, der seine Beute (vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten) lautlos anschleicht und im Überraschungsangriff erbeutet. Sie ist äußerst scheu gegenüber Menschen, stark territorial und nutzt ihre hervorragenden Sinne und Beweglichkeit, um in ihrem Revier erfolgreich zu jagen.
Als wesentliche Ursache dafür, dass die Wildkatze in Deutschland als „gefährdet“ eingestuft wird, gilt die Isolierung von Teilpopulationen durch die Zerschneidung der Landschaft. In Niedersachsen erschweren zudem ein Mangel an Tagesschlafplätzen und Versteckmöglichkeiten sowie Wurfplätzen und geeigneten Nahrungshabitaten wie Waldrändern die Wiederausbreitung der streng geschützten Art.
Hier setzt das Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ an – mit dem Ziel, naturnahe und klimarobuste Wälder für die Wildkatze sowie viele weitere, teils bedrohte Tierarten zu schaffen. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert; In Niedersachsen zudem durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. In Waldgebieten am Rande des aktuellen Verbreitungsgebietes der Wildkatze setzen der BUND und seine Projektpartner, wie die Niedersächsische Landesforsten, diverse Schutzmaßnahmen um.
Der Wolf – ein Wildtier in der Nachbarschaft
Im Jahr 1998 ist der Wolf (Canis lupus) nach Deutschland zurückgekehrt, später auch in den Naturpark Lüneburger Heide. Ein Wolfsrudel besteht in der Regel aus dem Elternpaar, den Welpen sowie den noch nicht geschlechtsreifen Jungtieren des Vorjahres. Diese bleiben bis zur Geschlechtsreife (etwa im Alter von 11 bis 24 Monaten) im elterlichen Rudel und wandern anschließend ab, um ein eigenes Revier zu finden. Wolfsreviere sind sehr groß und umfassen je nach Region etwa 150 bis 350 km². Zum Vergleich: Die Stadt Hannover ist mit rund 204 km² kleiner als ein durchschnittliches Wolfsrevier.
Durch die regelmäßige Abwanderung der Jungtiere sowie eine vergleichsweise hohe Sterblichkeit in den ersten Lebensjahren bleibt die Rudelgröße über längere Zeiträume hinweg relativ konstant.
Rechtlicher Status in Niedersachsen
Der Wolf unterliegt in Niedersachsen seit Mai 2022 dem Jagdrecht. Gleichzeitig wurde die Niedersächsische Wolfsverordnung aus dem Jahr 2020 aufgehoben. An seinem Schutzstatus hat sich dadurch jedoch nichts geändert: Der Wolf ist weiterhin eine streng geschützte Art und hat keine Jagdzeit. Eine Entnahme ist nur in begründeten Einzelfällen und ausschließlich mit einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung möglich, etwa zur Abwendung ernster landwirtschaftlicher Schäden oder zum Schutz der öffentlichen Sicherheit. Neu ist, dass die Jagdbehörden stärker in die Umsetzung solcher Ausnahmegenehmigungen eingebunden sind. Hier finden Sie den Wolfmanagementplan: 2022_Wolfsmanagementplan (PDF, 7 MB)
Verhalten und Begegnungen
Wölfe sind in der Regel scheu und meiden den Kontakt zum Menschen. Begegnungen sind selten. Sollte es dennoch zu einer Begegnung kommen, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und dem Tier durch lautes Sprechen oder Gesten zu signalisieren, dass es Abstand halten soll.
Wolfsmonitoring und Meldungen
Jede Wolfsbeobachtung sollte gemeldet werden. In Niedersachsen stehen hierfür geschulte Wolfsberaterinnen und Wolfsberater zur Verfügung. Die Meldungen sind ein wichtiger Bestandteil des Wolfsmonitorings und tragen dazu bei, die Entwicklung der Wolfspopulation fachlich zu begleiten. Hier finden Sie eine Liste der Wolfsberater:innen in Niedersachsen.
Im Video vom NLWKN gibt es außerdem viel Wissenswertes:
Im Rahmen des sogenannten „Leuphana-Semesters“ haben sich Studierende der Leuphana Universität Lüneburg im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ mit der Rückkehr des Wolfs beschäftigt. Der Projektbericht „Wie lässt sich die Rückkehr des Wolfes in den Naturpark Lüneburger Heide gerecht für alle Beteiligten (Mensch und Natur) gestalten“ steht hier als PDF zur Verfügung. Projektbericht (PDF, 2 MB)
Ziegen – vielseitige Helfer in der Heidepflege
Ziegen leisten genau wie die Heidschnucken im Naturpark Lüneburger Heide einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der offenen Heidelandschaft. Ihre besondere Stärke liegt in ihrer anspruchslosen und zugleich sehr effektiven Nahrungswahl. Sie fressen bevorzugt junge Gehölze, Sträucher und verholzte Pflanzen, die von anderen Weidetieren oft gemieden werden. Außerdem sind sie sehr geschickt klettern gern an den kleinen Bäumen und Sträuchern hoch, um höher liegende junge Äste zu erreichen. Auf diese Weise verhindern sie die Verbuschung und Verwaldung der Heide und tragen dazu bei, dass die Landschaft offen, licht und blütenreich bleibt.
Im Unterschied zu den Heidschnucken, die vor allem Gras und Besenheide verbeißen, sind Ziegen besonders effektiv gegen Pioniergehölze wie Birken, Kiefern oder Ginster. Ohne ihren Verbiss würden diese Pflanzen die Heideflächen schnell überwuchern. Deshalb werden Ziegen häufig gemeinsam mit Heidschnucken in gemischten Herden eingesetzt. Während die Schnucken das Heidekraut kurzhalten und neuen Austrieb fördern, sorgen die Ziegen dafür, dass Gehölze gar nicht erst die Oberhand gewinnen.
Ein bekanntes Beispiel für diese Form der Landschaftspflege ist der Landschaftspflegehof Tütsberg vom VNP. Die Beweidung mit Ziegen stellt eine nachhaltige Alternative zur maschinellen Pflege dar und schont sowohl den Boden als auch empfindliche Pflanzenbestände. Zudem fördert sie die Artenvielfalt, da durch den Verbiss offene Bodenstellen entstehen, die Lebensraum für zahlreiche Insekten, Reptilien und bodenbrütende Vogelarten bieten.
Da die Landschaftspflege mit Ziegen wirtschaftlich allein kaum tragfähig ist, wird sie heute durch öffentliche Förderprogramme unterstützt. So bleiben Ziegen auch künftig unverzichtbare Helfer beim Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft der Lüneburger Heide.
Der Rothirsch – imposanter Bewohner großer Wälder
Der Rothirsch (Cervus elaphus) ist das größte freilebende Landsäugetier Mitteleuropas und ein prägender Bewohner der Lüneburger Heide. Besonders eindrucksvoll sind die männlichen Tiere mit ihrem weitverzweigten Geweih, das sie jedes Jahr im Frühjahr abwerfen und bis zur Brunft neu ausbilden. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme lässt sich das Alter eines Hirsches nicht zuverlässig an der Anzahl der Geweihenden ablesen. Nur die Männchen tragen ein Geweih, während die Hirschkühe, im Frühjahr meist ein, selten zwei Kälber zur Welt bringen. Diese können bereits wenige Stunden nach der Geburt stehen und ihrer Mutter folgen.
Rothirsche leben den Großteil des Jahres nach Geschlechtern getrennt. Hirschkühe bilden mit ihren Kälbern sogenannte Kahlwildrudel, während männliche Hirsche außerhalb der Brunftzeit in lockeren Junggesellengruppen leben oder als Einzelgänger unterwegs sind. Als Lebensraum bevorzugt das Rotwild eine enge Verzahnung aus großen, zusammenhängenden Waldgebieten, dichten Rückzugsräumen und offenen Lichtungen – Strukturen, wie sie für die Lüneburger Heide typisch sind.
Foto: VDN-Fotoportal/JWM-Photo
Die Lüneburger Heide ist heute das größte zusammenhängende Rotwildgebiet Niedersachsens und reicht von Harburg bis in den nördlichen Bereich der Region Hannover. Ursprünglich nutzte das Rotwild weitläufige Offenlandschaften und unternahm saisonale Wanderungen. Durch Straßen, Siedlungen und intensive Nutzung sind diese Wanderbewegungen heute stark eingeschränkt. Die Tiere ziehen sich daher vor allem in größere Waldgebiete zurück, wo sie auf vergleichsweise engem Raum Nahrung und Deckung finden müssen. Die Rückkehr von Wolf und Luchs bringt wieder mehr natürliche Dynamik in das Ökosystem, doch entscheidend für den Erhalt des Rotwildes in der Lüneburger Heide bleiben großflächige, störungsarme und gut vernetzte Lebensräume.
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