Der Feuersalamander – der Gelbgefleckte aus dem Schatten

Foto oben: Rüdiger Heins

Mit seinem leuchtend schwarz-gelben Muster ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra) eine der bekanntesten Amphibienarten Deutschlands. Die auffällige Färbung warnt Fressfeinde: Über Hautdrüsen sondert er ein Gift ab. Trotzdem bleibt er meist verborgen, denn er lebt überwiegend nachtaktiv und sehr versteckt.

Der Feuersalamander führt eine biphasische und semiaquatische Lebensweise: Während die erwachsenen Tiere an Land leben, entwickeln sich ihre Larven im Wasser. Beide Lebensstadien sind auf Feuchtigkeit angewiesen, da die empfindliche Haut der Tiere leicht austrocknet. Bevorzugt werden daher feucht-kühle Laub- und Mischwälder mit sauberen, fischfreien Bächen und Quellgewässern. Als Unterschlupf dienen Totholz, Steine, die Laubschicht, Wurzelhöhlen oder alte Kleinsäugerbaue, z.B. von Mäusen. Reine Nadelwälder sowie sehr nasse Au- und Bruchwälder sind als Lebensraum weniger geeignet.

Im Naturpark Lüneburger Heide befindet sich im Garstedter Wald das größte bekannte Vorkommen des Feuersalamanders in Niedersachsen. Die naturnahen Laubwälder mit ihren kleinen Bächen und Quellbereichen bieten hier ideale Lebensbedingungen für die Art. Die Larven entwickeln sich vor allem in kühlen, langsam fließenden Bachabschnitten oder in ruhigen Kolken, wo sie sich tagsüber häufig unter Laub, Steinen oder Wurzeln verstecken.

Eine besondere Eigenheit des Feuersalamanders ist seine enge Bindung an Niederschläge: Vor allem an warmen, feuchten Regennächten werden die Tiere aktiv und gehen auf Nahrungssuche. Dann jagen sie langsam kriechend Regenwürmer, Insekten, Schnecken und andere kleine Wirbellose. Dabei verlassen sie sich weniger auf Schnelligkeit als auf ihre Ausdauer und ihren guten Geruchssinn. Feuersalamander können in freier Wildbahn ein erstaunlich hohes Alter von über 20 Jahren erreichen, in Einzelfällen sogar deutlich mehr.

Auch ihre Fortpflanzung ist bemerkenswert: Das Weibchen bringt keine Eier, sondern bereits entwickelte Larven mit äußeren Kiemen zur Welt, die es gezielt in geeignete Gewässer absetzt. Je nach Wassertemperatur und Nahrungsangebot dauert die Larvenentwicklung mehrere Monate, bevor die Jungtiere an Land gehen. Der Feuersalamander ist zudem stark von einer bestimmten Geburtsregion geprägt und kehrt oft über Jahre hinweg zu denselben Larvengewässern zurück. 

Ihr Vorkommen gilt als wichtiger Indikator für intakte Wälder und saubere Gewässer. Doch Gewässerverschmutzung, Lebensraumverlust und Krankheiten setzen der Art zunehmend zu – umso bedeutender sind Schutz und Erhalt naturnaher Wälder.

Der Moorfrosch – blauer Botschafter der Moore

Der Moorfrosch (Rana arvalis) ist eine der faszinierendsten Amphibienarten des Naturparks Lüneburger Heide. Die meiste Zeit des Jahres wirkt er unscheinbar: klein, bräunlich gefärbt und gut getarnt. Doch zur Paarungszeit im Frühjahr verwandeln sich die Männchen für wenige Tage in leuchtend blaue Wesen – ein einzigartiges Naturschauspiel. Diese Färbung entsteht durch eine erhöhte Wassereinlagerung in der Haut und dient den Weibchen als Signal bei der Partnerwahl. Neben der blauen Farbe versucht der männliche Moorfrosch, die weiblichen Tiere mit seinem Paarungsruf zu beeindrucken. Dieser klingt wie ein glucksen, ähnlich dem Geräusch, wenn man eine leere Flasche unter Wasser hält.

Der Moorfrosch führt, wie viele Amphibien, eine doppelte Lebensweise: Während der Fortpflanzungszeit ist er eng an flache, sonnige Gewässer gebunden, den Rest des Jahres lebt er überwiegend an Land in feuchten Wiesen, Mooren, Bruchwäldern und Heiden. Dort hält er sich gut versteckt in der Vegetation oder im Boden auf. Seine Tarnfärbung schützt ihn vor Fressfeinden wie Vögeln, Schlangen oder Säugetieren. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Insekten, Spinnen und andere kleine Wirbellose, die er mit schnellen Zungenbewegungen erbeutet.

Foto: Oliver Agit

Bemerkenswert ist die hohe Standorttreue des Moorfrosches: Viele Tiere kehren Jahr für Jahr zu denselben Laichgewässern zurück. Die Entwicklung der Kaulquappen hängt stark von Temperatur und Wasserstand ab: trocknen die Gewässer zu früh aus, können ganze Jahrgänge verloren gehen. Gerade deshalb ist der Moorfrosch besonders empfindlich gegenüber Entwässerung und Klimawandel. Als typische Art der Moore gilt er als wichtiger Indikator für intakte, naturnahe Feuchtlebensräume und macht deutlich, wie wertvoll der Schutz und die Wiedervernässung dieser besonderen Landschaften ist.

Der Moorfrosch ist streng geschützt und kommt in Deutschland vor allem im Norden und Osten vor. Ein wichtiger Lebensraum im Naturpark ist das Pietzmoor, wo er in weniger sauren Randbereichen geeignete Laichgewässer findet. Entwässerung, Lebensraumverlust und Klimaveränderungen setzen ihm stark zu. Der Moorfrosch steht stellvertretend für den Schutz sensibler Moorlandschaften, deren Erhalt nicht nur ihm, sondern vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten zugutekommt.

Die Kreuzotter – giftige Sonnenanbeterin

Die optimale Aktivitätstemperatur erreicht die Kreuzotter (Vipera berus) erst mit 30 bis 33 Grad Celsius, weshalb sie sich morgens und am späten Nachmittag ausgiebig sonnt. Im Winter lässt sie es daher lieber etwas ruhiger angehen und verkriecht sich mit Artgenossen in Verstecke und hält eine mehrmonatige Kältestarre. Im März oder April kommt sie dann wieder aus ihrer Winterruhe und die Paarungszeit beginnt. Kreuzottern gehören zu den wenigen ovoviviparen Reptilien, das bedeutet, dass sie ihre Eier im Mutterleib ausbrüten. Dies liegt vor allem an ihrem nördlichen Verbreitungsgebiet und ist eine Anpassung an diese kühleren Temperaturen.

Als Lebensräume bevorzugt die Kreuzotter Moore, Heiden und feuchte Niederungen mit vielen Sonnenplätzen. Die Kreuzotter ist an dem dunklen Zickzack-Band auf dem Rücken zu erkennen. Sie erreicht eine Durchschnittslänge von 50 bis 70 cm. Als Lauerjäger attackiert die Kreuzotter die Beutetiere, zum Beispiel Mäuse, Frösche und Eidechsen. Durch einen Biss injiziert sie Gift in deren Körper. Die Beutetiere sterben an dem Gift und werden mit dem Kopf voran verschlungen. Für den Menschen ist die Kreuzotter jedoch in der Regel ungefährlich. Denn sie ist sehr scheu und flüchtet schnell. Ein Zubiss erfolgt nur bei massiver Bedrohung. 

Eine weitere Besonderheit der Kreuzotter ist ihr ausgeprägtes Geschlechtsdimorphismus: Männchen sind meist grauer gefärbt mit schwarzem Zickzackband, während Weibchen eher braun bis rötlich erscheinen. Die Zeichnung dient nicht nur der Tarnung, sondern hilft auch bei der Wärmeregulierung. Jungtiere kommen bereits voll entwickelt und selbstständig zur Welt und sind von Anfang an giftig. Trotz ihres schlechten Rufs spielt die Kreuzotter eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie zur Regulierung von Kleinsäugerpopulationen beiträgt. Als typische Art strukturreicher, naturnaher Landschaften gilt sie zudem als Indikator für intakte Heide- und Moorlebensräume.

In Niedersachsen steht die Kreuzotter als stark gefährdet auf der Roten Liste. Hauptursachen sind Lebensraumverlust, Verbuschung sonniger Flächen, intensive Forst- und Landwirtschaft sowie Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen. Deshalb steht die Kreuzotter in Deutschland unter strengem Naturschutz und ist auf gezielte Biotoppflege angewiesen.

Die Schlingnatter – lautlose Spezialistin

Die Schlingnatter (Coronella austriaca) ist eine ungiftige, aber dennoch oft missverstandene Schlange. Nicht selten wird sie mit der Kreuzotter verwechselt. Sie lebt – wie diese – bevorzugt in warmen, abwechslungsreichen Heide- und Waldrandbereichen. Dort wechseln sich auf kleinem Raum offene Flächen mit niedriger Vegetation und teilweise gehölzreiche Bereiche ab, die viele Kleinstrukturen und Versteckmöglichkeiten bieten. Anders als andere Schlangen tötet sie ihre Beute nicht mit Gift, sondern umschlingt vor allem Eidechsen und kleine Wirbeltiere, bis diese bewegungsunfähig sind.

Typisch für die Schlingnatter ist ihr unauffälliges Erscheinungsbild, das sie perfekt an ihren Lebensraum anpasst. Sie ist meist grau-, braun- oder olivfarben und besitzt auf dem Rücken eine Reihe dunkler Flecken, die oft undeutlich wirken. Auffällig ist dagegen der dunkle Streifen, der sich vom Auge bis zum Hals zieht. Mit einer Körperlänge von meist 60 bis 75 Zentimetern bleibt sie deutlich kleiner und schlanker als viele andere Schlangen. Ihre Tarnung ist so effektiv, dass sie selbst bei Bewegung im offenen Gelände leicht übersehen wird.

Foto: Dennis Karjetta

Auch ihre Lebensweise ist bemerkenswert: Die Schlingnatter ist überwiegend tagaktiv und wärmeliebend, nutzt sonnige Plätze zum Aufwärmen und zieht sich bei Störungen sofort in die Vegetation oder unter Steine zurück. Sie ist wie die Kreuzotter lebendgebärend. Die Jungtiere kommen also bereits voll entwickelt zur Welt, was eine Anpassung an kühlere Klimabedingungen darstellt. Als spezialisierter Jäger von Eidechsen reagiert die Schlingnatter besonders empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums. Ihr Vorkommen gilt daher als wichtiger Hinweis auf strukturreiche, naturnahe Heidelandschaften, wie sie für die Lüneburger Heide typisch sind.

Die Lüneburger Heide besitzt eine besondere Bedeutung für den Erhalt dieser Art. Zerschneidung von Lebensräumen und der Verlust geeigneter Sonnen- und Versteckplätze gefährden sie stark. Der Schutz offener Heideflächen trägt entscheidend zum Erhalt dieser besonderen Schlange bei. 

Die Zauneidechse – Sonnenliebhaberin der Heide

Die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist eine typische Bewohnerin warmer, offener Landschaften. Sie liebt sandige Böden, sonnige Plätze und ein Mosaik aus Vegetation und Verstecken. Besonders häufig ist sie an Waldrändern, auf Heideflächen oder entlang von Wegen zu beobachten – oft beim ausgiebigen Sonnenbaden.

Als wechselwarmes Tier ist sie auf Wärme angewiesen, um aktiv zu sein. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, Spinnen und anderen kleinen Gliedertieren. Besonders auffällig ist die Färbung der Männchen während der Paarungszeit im Frühjahr: Dann leuchten ihre Flanken intensiv grün, während Weibchen eher braun gemustert bleiben. Diese Farbunterschiede spielen eine wichtige Rolle bei der Revierabgrenzung und Partnerwahl. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt in lockeren, warmen Sandboden, wo die Sonnenwärme die Entwicklung der Jungtiere übernimmt. Je nach Temperatur schlüpfen die jungen Eidechsen nach einigen Wochen und sind von Beginn an selbstständig.

Foto: Rüdiger Heins

Die Zauneidechse ist zudem eine echte Struktur-Liebhaberin: Sie benötigt offene Bodenstellen zum Aufwärmen, dichte Vegetation zur Nahrungssuche und Verstecke wie Steine, Totholz oder Grasbüschel zum Schutz vor Feinden. Gerade diese kleinräumige Vielfalt geht vielerorts verloren. Als streng geschützte Art gilt die Zauneidechse deshalb als wichtiger Indikator für naturnahe, vielfältige Landschaften. Wo sie vorkommt, sind Lebensräume meist noch reich an Strukturen – ein Gewinn nicht nur für Reptilien, sondern für viele weitere Tier- und Pflanzenarten. In der Lüneburger Heide bieten offene, gepflegte Heideflächen wichtige Rückzugsräume. Der Schutz kleinräumiger Strukturen ist entscheidend für ihr Überleben.

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