Die Hochmoor-Mosaikjungfer – Spezialistin der stillen Moore
Foto oben: Rüdiger Heins
Die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subartica) ist eine der seltensten und zugleich faszinierendsten Libellenarten Deutschlands. Sie ist eng an intakte Hochmoore gebunden und gilt als echte Spezialistin unter den Insekten. In Deutschland steht sie auf der Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie, in Niedersachsen gilt sie im Tiefland als stark gefährdet. Ihr Vorkommen ist daher ein deutliches Zeichen für hochwertige, naturnahe Moorlebensräume.
Die Hochmoor-Mosaikjungfer bevorzugt nährstoffarme, saure Moorgewässer mit Torfmoosen und Wollgräsern. Hier entwickeln sich ihre Larven über mehrere Jahre im Wasser, bevor sie sich schließlich zur flugfähigen Libelle verwandeln. Erwachsene Tiere sind meist im Sommer zu beobachten, wenn sie mit kraftvollem Flug über Moorflächen patrouillieren. Trotz ihrer Größe bleibt die Art oft unentdeckt, da sie abgelegene, störungsarme Bereiche meidet.
Charakteristisch für die Hochmoor-Mosaikjungfer ist ihre auffällige Färbung mit grünen und schwarzen Mosaikmustern sowie die ausgeprägte Bindung an ganz bestimmte Moorstrukturen. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in feuchte Torfmoospolster oder in flache, moortypische Kleingewässer ab. Die lange Entwicklungszeit der Larven von bis zu fünf Jahren macht die Art besonders anfällig für Veränderungen im Wasserhaushalt. Schon kleine Eingriffe können ganze Generationen gefährden. Als extrem spezialisierte Libelle gilt die Hochmoor-Mosaikjungfer daher als Schlüsselart intakter Hochmoore und macht sichtbar, wie wertvoll und schutzbedürftig diese Lebensräume sind.
Entwässerung, Nährstoffeinträge und die Zerstörung von Mooren haben die Lebensräume dieser Libelle stark reduziert. Der Schutz und die Wiedervernässung von Hochmooren sind daher entscheidend für ihr Überleben. Die Hochmoor-Mosaikjungfer steht stellvertretend für viele hochspezialisierte Arten, deren Zukunft untrennbar mit dem Erhalt der Moore in der Lüneburger Heide verbunden ist.
Flink unterwegs: Der Heide-Sandlaufkäfer
Der Heide-Sandlaufkäfer (Cicindela sylvatica) ist eine wahre Spezialität der Lüneburger Heide. Als Charakterart trockener Calluna-Heiden und lichter Kiefernwälder stellt er hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Er liebt offene, sandige Flächen mit wenig Vegetation, auf denen er blitzschnell jagend unterwegs ist. Seine Beute besteht aus kleinen Insekten, die er mit erstaunlicher Geschwindigkeit verfolgt. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist er weit verbreitet, aber auch hier nur stellenweise häufiger. Oft wird er mit dem sehr ähnlichen Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) verwechselt.
Der Heide-Sandlaufkäfer wird manchmal auch Wald-Sandlaufkäfer genannt, zählt zu den größten heimischen Sandlaufkäfern und fällt durch seine dunkel bronze- bis kupferfarbene Färbung mit hellen Flecken auf den Flügeldecken auf. Trotz seines Namens ist er kein typischer Waldbewohner, sondern bevorzugt lichte, warme Waldstandorte, breite Waldwege, Schneisen und offene Sandflächen in Kiefernwäldern. Entscheidend sind sonnige, vegetationsarme Bodenstellen, die sich schnell erwärmen – hier kann der Käfer seine enorme Lauf- und Reaktionsgeschwindigkeit optimal nutzen.
Wie alle Sandlaufkäfer ist auch der Heide-Sandlaufkäfer ein hochspezialisierter Sichtjäger. Sowohl die erwachsenen Tiere als auch die Larven sind räuberisch. Die Larven leben in senkrechten, selbst gegrabenen Wohnröhren im Sand und lauern dort auf vorbeilaufende Beute. Aufgrund seiner Bindung an offene, gestörte Sandstandorte ist die Art besonders empfindlich gegenüber Verbuschung und Nutzungsaufgabe. Ihr Vorkommen gilt als Hinweis auf dynamische, strukturreiche Lebensräume – und unterstreicht die Bedeutung von Offenhaltung und gezielter Pflege auch in lichten Wald- und Heidebereichen der Lüneburger Heide.
Im Gegensatz zu verwandten Arten ist der Heide-Sandlaufkäfer deutschlandweit selten geworden. In manchen Regionen gilt er bereits als ausgestorben. Umso bedeutender ist das stabile Vorkommen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, das für den Erhalt dieser Art eine besondere Verantwortung trägt. Dank seiner guten Flugfähigkeit kann er neu entstandene offene Flächen schnell besiedeln – vorausgesetzt, diese bleiben durch Pflege offen. Verbuschung und Nutzungsänderungen gefährden seinen Lebensraum. Der Heide-Sandlaufkäfer steht damit exemplarisch für die Bedeutung aktiver Heidepflege.
Die Blauflügelige Ödlandschrecke – Meisterin der Tarnung
Die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) ist perfekt an karge, trockene Lebensräume angepasst. Auf offenen Sandflächen, in Heiden und auf vegetationsarmen Böden ist sie durch ihre unauffällige Färbung nahezu unsichtbar. Erst wenn man ihr zu nahekommt, zeigt sie ihr spektakuläres Geheimnis: Mit einem plötzlichen Sprung entfaltet das rund 3 cm große Insekt leuchtend blau-schwarze Flügel und fliegt davon – ein überraschender Moment für jeden Beobachter.
Foto: VDN-Fotoportal/Axel Küster
Die Blauflügelige Ödlandschrecke ist überwiegend bodenlebend und sehr standorttreu. Den größten Teil ihres Lebens verbringt sie gut getarnt auf dem warmen Untergrund, wo sie sich von Kräutern, Gräsern und abgestorbenem Pflanzenmaterial ernährt. Ihre auffälligen blauen Hinterflügel dienen nicht nur der Flucht, sondern wirken auch verwirrend auf Fressfeinde: Nach dem plötzlichen Farbblitz verschwindet die Schrecke nach der Landung scheinbar spurlos, da sie die Flügel sofort wieder einklappt.
Ihre Fortpflanzung ist eng an offene Sandböden gebunden. Die Weibchen legen ihre Eier in den lockeren Boden, wo sie überwintern und erst im folgenden Frühjahr schlüpfen. Diese Abhängigkeit von unbewachsenen, sonnenexponierten Flächen macht die Art besonders anfällig für Verbuschung und Nährstoffeinträge. Viele ihrer ursprünglichen Lebensräume sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Ersatzlebensräume wie Kiesgruben oder Bahnareale sind oft nur vorübergehend geeignet. Deshalb ist die gezielte Pflege von Heideflächen besonders wichtig. Als „Tier des Jahres 2023“ wirbt die Blauflügelige Ödlandschrecke für den Schutz vergänglicher, aber ökologisch wertvoller Offenlandlebensräume. Sie gilt als Indikatorart für dynamische, nährstoffarme Offenlandschaften, also Lebensräume, wie sie durch aktive Heidepflege in der Lüneburger Heide erhalten werden.
Der Heidelaufkäfer – eine schillernde Persönlichkeit
Der Heidelaufkäfer (Carabus nitens) zählt zu den am stärksten gefährdeten Insektenarten Deutschlands. Mit seinem metallisch schimmernden Körper ist er nicht nur auffällig schön, sondern auch ein hochspezialisierter Bewohner der Heide. Er bevorzugt niedrige, offene Calluna- und Erica-Heiden in frühen Entwicklungsstadien. Sobald die Vegetation zu hoch und dicht wird, verschwindet die Art.
Der Heidelaufkäfer ist vor allem nachtaktiv und lebt räuberisch von Schnecken, Insektenlarven und anderen wirbellosen Tieren, die er am Boden erbeutet. Tagsüber versteckt er sich unter Heidekraut, Moosen oder im lockeren Sandboden. Seine Entwicklung verläuft langsam: Von der Eiablage über die Larve bis zum erwachsenen Käfer vergehen meist zwei bis drei Jahre, was die Art zusätzlich anfällig für Störungen macht. Als ausgesprochene Zeigerart für junge, offene Heideflächen zeigt sein Vorkommen an, dass Pflegeprozesse wie Entkusselung, Beweidung oder Plaggen erfolgreich wirken – und macht zugleich deutlich, wie sensibel dieses Gleichgewicht ist.
Besonders problematisch ist, dass der Heidelaufkäfer – wie alle Laufkäfer der Gattung Carabus – flugunfähig ist. Zerschneidung und Fragmentierung seines Lebensraums führen dazu, dass einmal verschwundene Populationen kaum zurückkehren können. Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beherbergt eine der letzten stabilen Metapopulationen in Norddeutschland. Damit kommt dem Gebiet eine herausragende Verantwortung für den bundesweiten Erhalt dieser vom Aussterben bedrohten Art zu. Pflege und Vernetzung der Heideflächen sind für sein Überleben entscheidend.
Die Rote Waldameise – Architektin des Waldes
Die Rote Waldameise (Formica rufa) ist eine der bekanntesten und zugleich wichtigsten Insektenarten unserer Wälder. Ihre auffälligen Hügel aus Nadeln und Zweigen sind wahre Meisterwerke der Baukunst. In einem einzigen Ameisenstaat leben oft mehrere hunderttausend Tiere, die gemeinsam für Nahrung, Brutpflege und Verteidigung sorgen.
Die Rote Waldameise ist also kein einzelnes Tier, sondern ein hoch organisierter Sozialstaat. Eine oder mehrere Königinnen sowie Arbeiterinnen übernehmen die unterschiedlichsten Aufgaben. Über Duftstoffe verständigen sich die Ameisen, markieren Wege und warnen vor Gefahren. Ihre beeindruckenden Hügel sind dabei weit mehr als nur Behausungen: Sie regulieren Temperatur und Feuchtigkeit im Nestinneren und ermöglichen es der Kolonie, auch bei kühleren Temperaturen aktiv zu bleiben.
Rote Waldameisen spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem. Sie regulieren Insektenbestände, verbreiten Samen und verbessern durch ihre Bautätigkeit den Boden. Gleichzeitig sind sie selbst auf intakte, störungsarme Lebensräume angewiesen. In der Lüneburger Heide wird ihre Bedeutung unter anderem im Ameisenzentrum anschaulich vermittelt. Die Rote Waldameise steht unter besonderem Schutz – ihre Nester dürfen nicht zerstört werden. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kleinste Tiere große Wirkung entfalten.
Bemerkenswert ist auch ihre enge Bindung an bestimmte Waldstrukturen. Rote Waldameisen bevorzugen lichte, sonnenexponierte Waldränder und Waldlichtungen, wo sie ausreichend Wärme und Nahrung finden. Sie ernähren sich nicht nur von Insekten, sondern auch von dem zuckerhaltigen Honigtau von Blattläusen, die sie gezielt „pflegen“. Als streng geschützte Art gilt die Rote Waldameise als wichtiger Indikator für naturnahe, vielfältige Wälder. Ihr Schutz trägt damit weit über den Erhalt einer einzelnen Art hinaus zum Gleichgewicht ganzer Waldökosysteme bei.
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